Zürich im Jahr 2048. Mike, IT-Spezialist, hat ein Problem. Seine Sozialkreditstufe wurde von 3 auf 2 reduziert. Er hat sich nicht an die Regeln gehalten. «Seit dem Abstieg hat sich mein Leben drastisch verändert», schreibt der 30-Jährige. Mit Computern darf er seither nicht mehr arbeiten. Also schneidet er jetzt Haare in einem kleinen Friseursalon im Enge-Distrikt.
Wer hätte gedacht, dass es so weit kommen würde? Damals, in den 2020er Jahren, deutet noch wenig darauf hin. «Was sie uns nicht erzählt hatten, war die volle Wahrheit», erläutert Mike. Ja, sie hätten von ihren «15-Minuten-Städten» geschwärmt, von Nachhaltigkeit, Bequemlichkeit, einer grünen Zukunft. Aber sie hätten verschwiegen, dass diese Distrikte mit einem perfiden Sozialkreditsystem und digitalem Zentralbankgeld kontrolliert würden.
Dieses Zukunft-Zürich ist kein Ort, in dem man leben möchte. «Jeder Bürger ist in seinem zugewiesenen 15-Minuten-Distrikt eingesperrt», schildert Mike – «wie Vieh in einer gigantischen Massentierhaltung.» Es gibt strikte Grenzkontrollen. Die Strassen und Plätze sind lückenlos videoüberwacht. «Millionen Augen, die jeden unserer Schritte verfolgen.»
Kritik an der herrschenden Ideologie wird geahndet. «Ein falsches Wort, eine leise Kritik an der Regierung – und in der nächsten Sekunde ist die Strafe schon von deinem Konto abgebucht. Automatisch. In Echtzeit.» Dissidenten werden ins Gefängnis gesteckt.